Aufstehen – es ist noch nicht vorbei

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Manchmal wirft uns das Leben zu Boden. Manchmal bleiben wir dort auch eine ganze Weile liegen.

Krankheit, Erschöpfung, Überlastung, Verletzungen durch andere Menschen oder der Verlust von Gemeinschaft können dazu führen, dass wir uns zurückziehen. Dass wir vorsichtiger werden. Vielleicht sogar unser Herz verschließen. Nicht unbedingt, weil wir aufgegeben haben, sondern weil irgendwann schlicht die Kraft fehlt, wieder aufzustehen.

Ich kenne solche Zeiten aus meinem eigenen Leben.

Ich habe Krankheit erlebt, Burnout und Überlastung. Ich musste mit Mobbing und tiefen Verletzungen umgehen und habe erlebt, wie Gemeinschaft und Gemeinde, die eigentlich Halt geben sollten, plötzlich nicht mehr da waren. Manche dieser Erfahrungen haben Spuren hinterlassen.

Genau davon handelt „Aufstehen“.

Wie der Song entstanden ist

Der ursprüngliche Impuls war eigentlich ganz einfach: Wir dürfen hinfallen. Wir dürfen auch eine Zeit lang liegen bleiben. Aber irgendwann müssen wir wieder aufstehen.

Dieser Gedanke hat angefangen, in mir zu arbeiten. Denn ich konnte ihn mit ganz unterschiedlichen Abschnitten meines eigenen Lebens verbinden.

So entstanden nach und nach die verschiedenen Bilder und Lebenssituationen, die sich durch die vier Strophen ziehen.

Da ist zunächst diese Zeit, in der kaum noch etwas geht:

Der Winter war lang, die Schatten so schwer
Mein Körper ein Haus, das fast unbewohnt wär’

Es gibt Zeiten, in denen das Leben klein wird. Der eigene Radius wird enger, Dinge, die früher selbstverständlich waren, werden plötzlich schwierig. Man funktioniert nicht mehr so wie früher. Und irgendwann kann sogar der Gedanke daran verloren gehen, wie sich ein neuer Anfang eigentlich anfühlt.

Aber selbst dort muss die Geschichte nicht enden.

Doch tief unter Blüten, versteckt im tiefsten Grund
Wird die Stille ganz leise … und das Leben wieder bunt.

Genau an diesem Punkt setzt der Refrain ein:

Es ist noch nicht vorbei
Nein, es ist noch nicht vorbei
Ich zieh den Vorhang auf, atme wieder ein
Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei
Ich steh wieder auf!

Für mich ist das keine Durchhalteparole. Es bedeutet auch nicht: Reiß dich zusammen, vergiss, was passiert ist, und mach einfach weiter.

Aufstehen bedeutet für mich etwas anderes.

Wenn Gott mein Haupt wieder erhebt

In der Bibel begegnet mir immer wieder das Bild eines Gottes, der Menschen nicht am Boden liegen lässt. David beschreibt Gott als denjenigen, der sein Haupt emporhebt. Gott ist Hilfe, Schutz und eine feste Burg. Er gibt Halt, wenn der eigene Halt verloren gegangen ist.

Das ist ein Gedanke, der sich nicht nur durch „Aufstehen“, sondern durch viele meiner Lieder zieht:

Ich muss mich nicht selbst wiederherstellen. Gott kann mich aufrichten.

Dabei verschwinden Verletzungen nicht einfach aus der eigenen Geschichte. Aber sie müssen auch nicht bestimmen, wie diese Geschichte weitergeht.

Für mich gehört deshalb zum Aufstehen auch Vergebung. Ich kann mich entscheiden, mein Herz nach erlebten Verletzungen nicht dauerhaft zu verhärten. Ich kann Heilung und Wiederherstellung zulassen. Und irgendwann kann ich den Mut finden, mich Menschen wieder zu öffnen.

Genau davon erzählt die vierte Strophe:

Hab Türen verschlossen aus Angst vor dem Schmerz
Und baute eine Festung um mein eigenes Herz

Eine solche Festung kann zunächst schützen. Aber irgendwann hält sie nicht nur Verletzungen draußen, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und neues Leben.

Deshalb endet die Strophe anders:

Ich öffne die Hände, lass die Skepsis verweh’n
Und wage es wieder, in deine Augen zu seh’n.

Für mich ist auch das Aufstehen.

Nicht zu behaupten, dass nichts gewesen wäre. Nicht jede Verletzung kleinzureden. Sondern sich zu entscheiden, dass die Vergangenheit nicht darüber bestimmen soll, wie ich den Rest meines Lebens verbringe.

Schrittchen für Schrittchen

Dabei geschieht Aufstehen nicht immer in einem großen Moment.

Eine meiner liebsten Aussagen des Songs steckt deshalb vielleicht in einer eher unscheinbaren Zeile:

Weil ich Schrittchen für Schrittchen den Weg wieder hab.

Manchmal ist genau das der Weg zurück.

Ein Stein fällt. Dann der nächste. Eine Grenze verschiebt sich. Etwas, das gestern noch unmöglich erschien, geht heute wieder. Vertrauen wächst neu. Hoffnung kommt zurück.

Und irgendwann stellt man fest: Ich liege nicht mehr. Ich bin wieder unterwegs.

Das Beste liegt noch vor mir

Mein verstorbener Pastor pflegte einen Satz zu sagen, der mich bis heute begleitet:

„The best is yet to come.“ – Das Beste liegt noch vor uns.

Deshalb war mir wichtig, dass „Aufstehen“ nicht beim Aufstehen endet.

Im Outro heißt es:

Ich steh wieder auf
Es wird ’ne geile Zeit
Ja, ich weiß, das Beste liegt noch vor mir!
Das Beste liegt noch vor mir!

Das ist für mich mehr als Optimismus.

Als Christ glaube ich, dass Gott auch nach Niederlagen neue Vision schenken kann. Dass ein geistlicher Durchbruch nicht deshalb ausgeschlossen ist, weil wir lange darauf gewartet haben. Dass eine Gebetserhörung auch nach Jahren kommen kann. Dass Gott einem Menschen eine neue Aufgabe geben kann, wenn andere vielleicht längst meinen, die entscheidenden Kapitel seines Lebens seien bereits geschrieben.

Die Bibel ist voller Menschen, deren Geschichte an einem bestimmten Punkt beendet schien – und bei denen Gott noch einmal ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen hat.

Deshalb möchte ich nach einer Niederlage nicht nur aufstehen, um wieder dort anzukommen, wo ich vorher war.

Ich möchte aus dem lernen, was hinter mir liegt, und mit neuer Vision weitergehen.

Vielleicht wird der nächste Berg höher als der letzte. Vielleicht wartet etwas auf mich, das ich heute noch gar nicht sehen kann.

Und schließlich hat „The best is yet to come“ für mich noch eine zweite, viel größere Dimension.

Unsere Hoffnung als Christen endet nicht mit diesem Leben. Vor uns liegt die Ewigkeit mit Gott. Und was dort auf uns wartet, wird alles übertreffen, was wir uns hier vorstellen können.

Deshalb kann ich trotz allem, was hinter mir liegt, sagen:

Es ist noch nicht vorbei.

Ich steh wieder auf.

Das Beste liegt noch vor mir.

„Aufstehen“ anhören

Hier kannst du dir „Aufstehen“ direkt anhören und das Musikvideo ansehen:

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Der Sound von „Aufstehen“

Auch musikalisch wollte ich die Geschichte des Songs erzählen. Für mich brauchte „Aufstehen“ einen ruhigen, emotionalen Singer-Songwriter-Sound – nahbar und verletzlich in den Strophen, aber mit zunehmender Kraft und Zuversicht im Refrain.

Der Song sollte nicht von Anfang an triumphierend klingen. Er beginnt dort, wo auch der Text beginnt: eher leise und am Boden. Erst nach und nach öffnet sich die Musik, bis am Ende aus dem vorsichtigen „Es ist noch nicht vorbei“ eine echte Erwartung für das wird, was vor mir liegt.

Lyrics – Aufstehen

Verse 1

Der Winter war lang, die Schatten so schwer
Mein Körper ein Haus, das fast unbewohnt wär’
Ich lag auf den Kissen aus Schweigen und Zeit
Und wanderte langsam durch Dunkelheit
Hab verlernt, wie man Schritte ins Morgen setzt
War so tief verwundet, so müde verletzt
Doch tief unter Blüten, versteckt im tiefsten Grund
Wird die Stille ganz leise … und das Leben wieder bunt.

Refrain

Es ist noch nicht vorbei
Nein, es ist noch nicht vorbei
Ich zieh den Vorhang auf, atme wieder ein
Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei
Ich steh wieder auf!

Verse 2

Ich war mein eigener Schatten, bin ewig gerannt
Hab das eigene Feuer im Wind verbrannt
Die Augen voll Rauch und das Herz aus Papier
Ich verlor den Gedanken an das kleine „Ich mir“
Hab mich selbst überholt, bis die Seele nicht mehr trug
War nie ganz angekommen, nie gut genug
Doch jetzt steh ich am Rand und lass die Hektik verweh’n
Wo die Uhren wieder langsam gehn und die Herzen sich dreh’n.

Refrain

Es ist noch nicht vorbei
Nein, es ist noch nicht vorbei
Ich zieh den Vorhang auf, atme wieder ein
Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei
Ich steh wieder auf!

Verse 3

Die Tage wie Berge, ein steiniger Pfad
Wo man vor lauter Gipfeln den Weg nicht mehr sah
Ich hab mich verloren im Fluss der Pflicht
Sah den Wald voller Bäume, aber kein einziges Licht
Hab Grenzen gezog’n, die mich selber umzingeln
Lass die stummen Gedanken wie Regentropfen klingen
Ein Stein nach dem andern fällt leise herab
Weil ich Schrittchen für Schrittchen den Weg wieder hab.

Refrain

Es ist noch nicht vorbei
Nein, es ist noch nicht vorbei
Ich zieh den Vorhang auf, atme wieder ein
Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei
Ich steh wieder auf!

Verse 4

Der Raum war zu groß und die Wände aus Glas
Wo ich stumm wie ein Fremder still am Fensterbankel saß
Hab Türen verschlossen aus Angst vor dem Schmerz
Und baute eine Festung um mein eigenes Herz
Doch Eis schmilzt im Frühling, wenn die Sonne berührt
Ich hab die Einsamkeit lange genug gespürt
Ich öffne die Hände, lass die Skepsis verweh’n
Und wage es wieder, in deine Augen zu seh’n.

Refrain

Es ist noch nicht vorbei
Nein, es ist noch nicht vorbei
Ich zieh den Vorhang auf, atme wieder ein
Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei
Ich steh wieder auf!

Outro

Ich steh wieder auf
Es wird ’ne geile Zeit
Ja, ich weiß, das Beste liegt noch vor mir!
Das Beste liegt noch vor mir!

Ich steh wieder auf …
Es wird ’ne geile Zeit.
Das Beste liegt noch vor mir.

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